Frau Irrwisch

Zu Weihnachten 1945 bekam ich eine Puppe. Meine Mutter hatte sie aus allerlei Woll- und Stoffresten gebastelt. Da sie selbst von ihrem Kunstwerk nicht recht überzeugt war, wurde die Puppe "Frau Irrwisch" genannt. Ich liebte dieses, mein einziges Spielzeug, heiß und innig.
Als ich eines Tages mitten auf dem Hof - im Einödhof Koppenzell - damit spielte, schnappte der Hofhund die Puppe und trug sie auf den Misthaufen. Dort konnte ich sie selbst nicht herunterholen. Das tat auch kein anderer für mich. So wurde die Puppe schließlich von der nächsten Ladung Mist bedeckt. Mein Kummer war groß, aber ich hatte die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, meine geliebte Puppe wiederzubekommen. Ich wartete bis der Mist auf den Acker gefahren wurde...
Ich lief hinter dem Mistwagen her, bis das ersehnte Etwas schließlich vor meine Füße fiel. Überglücklich brachte ich es zu meiner Mutter. - Ich kann es ihr heute ja nicht verdenken, dass sie das stinkende Bündel in den Herd steckte. Aber wer kann meinen damaligen Schmerz ermessen?

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