Eine Simulantin

Nach einer überstandenen Bauchfellvereiterung - mit sieben Operationen - war mir durch die vielen Narben ein Wetterprophet geblieben. Jeden Wetterumschwung spürte ich, den einen mehr, den andern weniger.
Eines Tages, mein Mann war eben für ein paar Tage verreist, bekam ich abends starke Schmerzen, die mich in der Nacht fast nicht schlafen ließen. Das kann doch nicht mehr mit rechten Dingen zugehen, dachte ich. Ist das womöglich wieder ein herauseiternder Faden oder eine Narbenwucherung?
Am nächsten Morgen, es war ein Samstag, fuhr ich selbst die 16 km mit meinem Auto ins Krankenhaus (wo ja meine Krankengeschichte aufgeschrieben war). Die Treppen aus der Tiefgarage hoch zu gehen, war mir fast nicht mehr möglich. Und doch schaffte ich es bis zur Anmeldung. Der Dienst habende Arzt untersuchte mich, konnte jedoch keine Ursache für meine Schmerzen finden. Er nahm mich aber im Krankenhaus auf und sagte der Stationsschwester, sie solle mir Schmerztabletten geben. Das war etwa um 9.00 Uhr früh.
Schließlich war ich froh, im Bett zu liegen, aber meine Schmerzen ließen nicht nach. Die verordneten Tabletten bekam ich nicht. Wenn ich auf den Knopf mit der Glocke drückte, ertönte aus dem Lautsprecher an meinem Nachtkästchen: "Ja?" Aber mein Hilferuf bewegte niemanden.
Verschiedene Mädchen, die gerade freiwilligen Wochenenddienst machten, erschienen, um das Essen zu bringen, das Geschirr weg zu tragen oder um die Betten aufzuschütteln. Dabei wusste ich kaum, wie ich aus dem Bett heraus und wieder hinein kommen sollte.
Abends erhielt ich endlich eine Tablette.
Die Nacht war schlimm und der darauf folgende Sonntag schrecklich, denn Hilfe wurde mir keine zuteil. Ich rief eine Freundin an, der ich mein Leid klagte.
Als sie mich am Montag besuchte, ging es mir plötzlich wieder fast gut, so dass ich am nächsten Tag entlassen wurde. Doch ehe ich mit meinem Auto wieder selbst heim fuhr, beklagte ich mich bei der Stationsschwester (die inzwischen nicht mehr in diesem Krankenhaus ist), dass man mit einem Menschen, der Schmerzen hat, doch nicht so umgehen dürfe. Darauf antwortete sie: "Ja wissen Sie, wir haben gemeint, Sie seien eine Simulantin."
Das "Dankeschön" blieb mir im Hals stecken.....

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