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1. Die Arbeitsweise bei der
Hinterglasmalerei Beim Hinterglasmalen gehen wir in anderer Reihenfolge vor als beim Malen eines Ölgemäldes. Da wir die Rückseite des Glases bemalen, müssen wir umdenken. Wir müssen das, was im Vordergrund liegt, wenn wir das Bild von vorne anschauen, zuerst malen, nämlich Konturen und Lichter und alles, was vorn liegt. Wenn man mit einem Hinterglasbild beginnt, fertigt man zuerst auf Zeichenpapier einen Entwurf und danach meistens einen "Riss" an. Ein Entwurf oder ein fertiges Bild ist unbedingt notwendig für diese "umgekehrte" Malweise. Motive für Hinterglasmalereien gibt es viele. Das Kopieren von Vorlagen hat in der Hinterglasmalerei schon immer eine große Rolle gespielt. Deshalb zögere ich auch nicht, ab und zu ein schönes, nicht von mir stammendes Motiv zu übernehmen. Oft findet man auf Glückwunschkarten oder Kalenderbildern gute Ideen, die man ein wenig verändert nachmalen kann. Auch aus den Bilderbüchern meiner Kinder habe ich mir schon manche Anregung geholt. Vielleicht werden Sie auch in Ihrem eigenen Fotoalbum fündig. Vor allem aber möchte ich Sie ermuntern, selbst mit dem Bleistift Entwürfe zu machen und diese Ideen dann in einem Hinterglasbild zu verwirklichen.
Wenn es nun darauf ankommt, dass das Bild, z. B. ein Wappen, hinterher nicht seitenverkehrt erscheint, zeichne ich die Umrisslinien des gewünschten Bildes zuerst auf Transparentpapier. Dieses lege ich umgekehrt auf meine weiße Unterlage. Die Umrisse des Bildes scheinen dann seitenverkehrt durch - so wie sie für die Hinterglasmalerei benötigt werden. Bevor ich nun die Glasplatte darauf lege, wasche ich diese gründlich mit warmem Wasser und Spülmittel ab, lasse klares Wasser darüber laufen und trockne mit Haushaltspapier ab. Ich benütze dazu kein Handtuch, da eventuell vom Waschen darin verbliebener Weichspüler anschließend verhindert, dass die Farbe am Glas haften bleibt. Auch Fingerabdrücke auf dem Glas würden sich so unerfreulich auswirken. Also, bitte das Glas nur an den Außenkanten berühren und auf den Entwurf legen. Diesen kleben Sie nun mit zwei Stückchen Klebeband am rechten Rand des Glases oben und unten fest. (Das Klebeband darf dabei höchstens 3 mm in die Glasplatte hineinreichen.) Diese Klebestreifen wirken nun wie ein Scharnier. Damit man die Platte immer wieder hochheben kann, um nachzusehen, wie's geworden ist, mache ich mir einen Anfasser. Hierfür schneide ich 5 cm Klebestreifen ab und kippe 2 cm davon um (Klebeseite auf Klebeseite), so dass noch 1 cm klebendes Band verbleibt. Dieses klebe ich nun auf die Vorderseite der Glasplatte am linken unteren Rand. Bei den volkstümlichen alten Hinterglasbildern wurden nun stets mit einem ganz feinen Marderhaarpinsel (Stärke 00) die Umrisslinien nach der Vorlage auf das Glas gemalt. Es entstand der sog. "Riss". (Die Vorlage wird ebenfalls als Riss bezeichnet.) Auch uns erleichtert es die Arbeit sehr, wenn wir vorher einen Riss anfertigen. Im allgemeinen verwende ich dafür schwarze Farbe. Diese Umrisslinien sollten möglichst gleichmäßig und nicht verzittert sein. Die Farbe läuft besser, wenn Sie sie ein wenig verdünnen; aber bitte nicht zu sehr, sonst wird sie transparent, und schwarz wirkt dann grau. Sowohl den Riss als auch die Flächen male ich mit den im Handel angebotenen Hinterglasmalfarben (Dispersionsfarben), die im Vergleich zu Ölfarben sehr rasch trocknen. Früher wurden alle Hinterglasbilder mit Ölfarben gemalt, nur nicht deren Risse. Diese wären sonst beim Übermalen angelöst und verwischt worden. Für die Risse benützte man mit Wasser angemachte Farben. Mit den modernen Hinterglasmalfarben wird im allgemeinen flächig deckend gemalt. Schattierungen gelingen besser mit den langsamer trocknenden Ölfarben. Doch unmöglich ist das Schattieren auch mit diesem Farben nicht. Es erfordert nur etwas Geduld. Bevor Sie sich nun selbst an die Arbeit machen, möchte ich Ihnen noch etwas sagen zum Umgang mit Pinsel und Hinterglasmalfarben. Diese Farben trocknen sehr rasch und bilden dabei auf dem Pinsel einen Film. Wenn dieser Film erst einmal auf den Pinselhaaren fest geworden ist, können Sie ihn nicht mehr entfernen, ohne den Pinsel zu beschädigen. Außerdem leidet unter einem verklebten Pinsel die Schönheit Ihrer Malerei. Waschen Sie also die Pinsel immer wieder aus, vor allem, wenn Sie Ihre Arbeit unterbrechen müssen. Wechseln Sie auch öfter Ihr Malwasser, das in einem nicht zu schlanken, etwas schwereren Gefäß stehen sollte. Stellen Sie Ihren Pinsel bitte nicht senkrecht ins Wasser, sonst verbiegen die Haare oder brechen ab. Wenn Sie Ihre Arbeit beendet haben, streifen Sie einige Male mit dem Pinsel über eine Seife und waschen ihn unter klarem Wasser aus. An einem Baumwolllappen wischen Sie das Wasser ab und stellen den Pinsel dann mit den Haaren nach oben in einen Becher. Um beim Malen meine Hand auflegen zu können, ohne mit dem Glas in Berührung zu kommen, benütze ich eine "Brücke", ein sog. Malerbänkchen. Ich habe es mir aus einem 40 cm langen Holzlineal hergestellt, indem ich unter beide Enden einen flachen Baustein meiner Kinder geklebt habe. Nun sollten wir uns noch einige Gedanken machen über das zu bemalende Glas. Ich verwende einfaches Fensterglas als Bildträger. Man bekommt es in verschiedenen Stärken (2 cm, 3 cm und stärker). Das dünne Glas ist mir am liebsten. Bei diesem fällt es mir leichter, senkrecht über dem darunter liegenden Riss zu malen. Handelt es sich aber um ein sehr großes Bild, so muss man wohl, um die Bruchgefahr zu mindern, eine stärkere Platte auswählen. Einmal hatte ich Glück und konnte einige echte alte Fenstergläser kaufen, die noch Unebenheiten, Schlieren und Blasen aufwiesen, wodurch die Brechung des Lichtes auf dem Bild besonders interessant wird. Meine Hinterglasmalerei mit dem Dollnsteiner Wappen ist auf einem solchen Glas entstanden.
Angenommen, ich habe mir ein wenig grüne Farbe auf mein
Schraubdeckelchen gegossen, (anschließend das Farbgefäß wieder gut
verschlossen) so werde ich zunächst alles ausmalen, was grün sein soll,
nämlich den Baum, den Hut, die Hose, die Blumenblätter und den Rasen. Dass
ich jede Farbe zweimal auftrage, brauche ich von nun an wohl nicht mehr zu
erwähnen. Wenn das Motiv des Bildes fertig ist, wird mit der
Hintergrundfarbe abgeschlossen. Diese trage ich zum größeren Schutz der
Malerei oft sogar dreimal auf, wobei ich jeweils den vorherigen Anstrich
zuerst trocknen lasse.
Etwas anspruchsvoller in der Technik sind die weißen Margariten auf schwarzem Grund (Nr.9), gemalt nach einer Fotografie. Begonnen habe ich mit den braunen und gelben Tüpflein. Sie wurden zweimal mit Ocker abgedeckt. Von den weißen Blütenblättern wurden zuerst die unverdeckten in der vordersten Reihe gemalt. Ich verwendete dazu einen guten Pinsel (Nr.6), den ich mit dem vorderen Drittel der Haare kräftig in weiße Farbe tauchte. Jedes dieser Blätter wurde in einem Zug einmal weiß gemalt und nach dem Trocknen mit Schwarz abgedeckt. Nachdem diese schwarze Farbe trocken war, wurde in der gleichen Weise an den dahinter liegenden Blättern weitergearbeitet. Da sich an den Blatträndern mehr Farbe gehalten hat als in der Mitte, erscheinen diese Blätter von außen nach innen schattiert. Innen schimmert die dunkle Farbe etwas durch. Es ist eigentlich ganz einfach, wenn man nur jeweils fürs Trocknen genug Geduld aufbringen kann. Am Schluss habe ich alles schwarz abgedeckt, was einen starken Kontrast zu den weißen Blüten ergibt. Auf ähnliche Weise wurde das Bild mit den weißen Herbstanemonen (Nr.10) gemalt.
Weiter: 2. Die Arbeitsweise bei der Hinterglasradierung
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