2. Die Arbeitsweise bei der Hinterglasradierung

Diese Art der Hinterglasmalerei ist die älteste uns bekannte. Ich habe für sie eine besondere Vorliebe.

Die gut gereinigte Glasplatte wird mit dunkler Farbe (schwarz oder braun) grundiert. Es empfiehlt sich, die Farbe hierfür etwas zu verdünnen und dreimal aufzutragen (dazwischen gut trocknen lassen). Beim dritten Anstrich stellen Sie die Platte senkrecht vor sich auf und streichen nur noch dort ein wenig nach, wo Licht durchschimmert.

Die so vorbereitete Platte - vielleicht auch gleich mehrere - sollten Sie nun ein paar Tage trocknen lassen. Je dünner die Farbe aufgetragen und je besser sie getrocknet ist, desto sauberer werden die ausgekratzten Linien und Formen. Andernfalls sehen sie etwas ausgefranst aus.


Nr. 12

Nr. 16
 

Nr. 13
 

Nr. 14

Wenn Sie für Ihre Hinterglasradierung oder für Ihr Kratzbild, wie man auch sagt, ein passendes Motiv gefunden haben und dieses in der richtigen Größe gezeichnet haben, müssen Sie überlegen, ob Sie das Motiv aus der dunklen Farbe herauskratzen wollen, um es später mit heller oder goldener Farbe zu hinterlegen wie bei meinen Bildern Nr.12 und 16 oder ob das Motiv dunkel bleiben und der Hintergrund hell werden soll wie bei meinen Bildern Nr.13 und 14.

 

Nun brauchen wir für diese Technik noch einige bisher nicht genannte Hilfsmittel:
Weißes oder gelbes Pauspapier (Schneiderpapier),
eine lange Näh- oder Stopfnadel,
Zahnstocher oder Schaschlikstäbchen.

Auf die grundierte und gut getrocknete Glasplatte pausen Sie jetzt Ihr Motiv, wobei zu bedenken ist, dass das Bild vorn seitenverkehrt zu sehen ist.

Bei dem Bild mit dem Vogel auf dem Blütenzweig (Nr.12) erscheint das heraus gekratzte Motiv hell. Dabei habe ich darauf geachtet, dass die kleinen Flächen nicht ganz sauber ausgeschabt werden. So wirkt das Bild lebendiger. Alle Formen, die Blätter, die Blüten, die Zweige und die Vögel wurden zunächst mit einer Nadel oder Reißnadel umfahren. Mit einem Zahnstocher wurden dann die Flächen freigelegt. Mit einem trockenen Lappen kann man vorsichtig die ausgekratzte Farbe von der Glasplatte entfernen.

Auch bei der Hinterglasradierung benütze ich mein Malerbänkchen.

 

Bei dem ovalen bäuerlichen Motiv mit Vogel und Granatapfel (Nr.13) verlief die Arbeit etwas anders. Entlang der aufgepausten Linien habe ich den Hintergrund vom Motiv getrennt und ganz sauber herausgekratzt.

Bei dem Mädchen mit dem Blumenkranz (Nr.14) zeigt sich eine andere Möglichkeit, den Hintergrund zu gestalten. Das Motiv wurde mit Alufolie hinterlegt, die ich vorher zusammengedrückt und wieder ein wenig geglättet habe. Man spricht hier vom "Diamanteffekt".


Nr. 15

Das Vogelmotiv (Nr.15)
habe ich von einem Scherenschnitt der Schwester Dorothea Brockmann aus Eichstätt übernommen
(auch das der Spiegelradierung Nr.22).
Diese Hinterglasradierung ist mit
zerknüllter und wieder geglätteter Alufolie hinterlegt.
Auch helles Papier oder feiner Stoff
könnten als Hintergrund dienen.

Für mich haben Hinterglasradierungen oft den Charakter von etwas Besonderem, etwas Wertvollem.

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