|
3. Die Arbeitsweise bei der
Spiegelradierung Früher brachten Spiegel Glanz und Licht in Schlösser und reiche Bürgerhäuser und spiegelten den dortigen Reichtum wider. Später diente der Spiegel fast ausschließlich als Hilfsmittel bei der Körperpflege und bei der Gestaltung der Garderobe. Heute besinnt man sich wieder mehr auf die dekorative und raum-gestaltende Wirkung des Spiegels. Selbst düstere Winkel des Hauses werden durch einen Spiegel ein wenig aufgehellt. Wenn solch ein Spiegel in unserer Wohnung gar ein Bild in sich trägt, wird er interessant. Er fasziniert jeden auch nur zufällig Draufblickenden. Vor Jahren las ich zufällig einmal von einer Spiegelradierung. Ohne je selbst eine gesehen zu haben, machte ich mich an die Arbeit und probierte diese Technik aus. Die Ergebnisse machten mir viel Freude, und ich arbeitete daran immer weiter. Schließlich ist mir die Spiegelradierung zu einem lieben Hobby geworden.
Bei vielen meiner Spiegelradierungen handelt es sich um Mischtechniken, da ich oft in die ausradierten Flächen bunt hineingemalt habe; also handelt es sich um Hinterglasmalerei im "radierten Spiegel" (Bild Nr.17: Baum mit Vögeln, im Hintergrund spiegelt sich schwarzes Tonpapier; Bild Nr.18: Mädchen wirft Blumen durch die Luft, Motiv aus einem Kinderbuch) Eine Spiegelradierung erfordert viel mehr Zeit und Geduld als eine Hinterglasradierung. Die Farbe, mit der wir unsere Glasscheibe grundiert haben, lässt sich ganz leicht herauskratzen. Dagegen lässt sich die Schicht auf der Spiegelrückseite oft nur recht mühsam entfernen. Doch die Mühe lohnt sich. - Was müssen wir denn eigentlich vom Spiegel abkratzen? - Direkt auf der Glasscheibe befindet sich eine hauchdünne Silberschicht (heute kein Quecksilber mehr). Darüber liegt eine schützende Deckschicht, ein Lack.
Auf den Bildern Nr.19 a-d sehen Sie die schrittweise Entwicklung einer Spiegelradierung: Die vorgezeichneten Linien werden mit einem spitzen Messer, einem Tapeziermesser, dessen Klingenenden immer wieder abgebrochen werden können oder einer Reißnadel ausgekratzt (Nr.19 b). Ich selbst benütze dazu eine Reißnadel, denn sie kratzt am besten. Man muss jedoch beim Umgang mit ihr aufpassen, dass man nicht gleich das Glas zerkratzt. (Eine Reißnadel zu bekommen, ist vielerorts ein Problem. Ich lasse mir die meinen von der Firma SELVA aus Trossingen schicken.) Den Staub, der beim Herauskratzen der Linien entsteht, lasse ich vorerst liegen. Ich wische oder blase ihn nicht fort. Erst, wenn alle vorgezeichneten Linien nachgezogen sind, entferne ich den ganzen Staub mit einem feuchten Lappen, den ich beim nächsten Arbeitsgang immer bei der Hand haben muss. Die Deckschicht (der Schutzlack) ist bei den einzelnen Spiegeln recht verschieden. Bei manchen hält sie sehr fest, ist also recht schwierig zu entfernen. Bei anderen splittert und fliegt sie nur so davon, dass fast eine Schutzbrille angebracht wäre. Damit bei dieser Art der Beschichtung nicht mehr vom Ornament heraus bricht, als uns lieb ist, kann man, nachdem das Motiv auf die Deckschicht gezeichnet wurde, mit einem farblosen Lackspray darüber sprühen. So lässt sich's besser arbeiten. Sollte Ihnen doch einmal ein unerwünschtes Stückchen heraus gebrochen sein, so sollten Sie diese Stelle ganz gezielt mit einem Lack abdecken. Ein winziges Tröpfchen Nagellack, mit einem Zahnstocher aufgetragen, kann weiteren Schaden verhüten. Wenden wir uns wieder unserem Bild Nr.19 zu! Nun wird innerhalb des Ovals der Hintergrund herausgekratzt (Nr.19 c). Mit dem feuchten Lappen wird dabei laufend der Staub weggewischt, damit man sehen kann, ob noch kleine Reste der schützenden Deckschicht zurückgeblieben sind. Bitte wundern Sie sich nicht, wenn Sie noch nicht durch das Glas hindurch sehen können! Noch liegt die Silberbeschichtung drauf. Diese wird nun mit verdünnter Salzsäure herausgelöst. Dazu tauche ich das eine Ende eines Wattestäbchens in die Salzsäure und betupfe damit die ausgekratzte Fläche. Je nach Grad der Verdünnung der Salzsäure löst sich nach wenigen Minuten oder auch erst nach einer Viertelstunde die Silberschicht (Nr.19 d). Der stehen gebliebenen Schutzschicht passiert dabei gar nichts. Wer der Salzsäure aber misstraut, von der ätzende Dämpfe aufsteigen und die möglichst nur bei geöffnetem Fenster angewendet werden sollte, kann auch Essigessenz verwenden (dauert etwas länger). Die Silberschicht lässt sich aber auch mit Stahlwolle Nr.00 oder einer Stahlputzpaste entfernen. Dabei werden die Konturen manchmal jedoch nicht ganz so scharf wie beim Ätzen. Bei manchen Spiegeln lässt sich die Silberbeschichtung auch mit der Reißnadel abkratzen. Solche Spiegel habe ich aber noch nicht oft angetroffen.
Es gibt übrigens Spiegel in mancherlei
Farben. Ob sie nun aber golden, bronzefarben, grün, blau oder rosa sind,
die Beschichtung besteht fast immer aus Silber und schützendem Lack. Für
die verschiedenen Farbtöne wird im allgemeinen das Glas eingefärbt. Bei
all meinen Spiegeln fand ich hierin nur drei Ausnahmen. Eine davon ist der
kleine grünliche Spiegel (Nr.24c) mit den gelben Blüten. Wie man an der
gelben Farbe sieht, wurde das Glas nicht grün eingefärbt.
Übrigens können im Foto ganz normale silberne Spiegel
auch bläulich oder gelb wirken, je nachdem, ob sich der Himmel oder die
gelbliche Zimmerdecke darin spiegelt
Auf meiner Suche nach Motiven für Spiegelradierungen bin ich immer wieder auf bäuerliche Motive gestoßen, die mir für diese Technik besonders gut gefallen haben. Das Bild Nr.26 (das ich selbst fotografiert habe) erinnert an eine recht alte Malweise in der Bauernmalerei, an die Schabloniertechnik. Bei dieser Spiegelradierung und bei dem Bild Nr.27 habe ich die Flächen für das Motiv nicht sauber ausgekratzt, sondern viele kleine Strichlein stehen gelassen. Besonders beim Bild Nr. 26 gefällt mir diese Art.
Eine Spiegelradierung kann auch als Umrahmung für eine Fotografie interessant sein (Nr.32, 33, 34a, b, c). Diese kleinen Fotorähmchen mit einem hübschen Bild können als Mitbringsel recht willkommen sein. Für einige von ihnen habe ich sog. Antikspiegel verwendet.
Zum Thema Rahmen für meine Bilder kann ich Ihnen wohl nicht viel Hilfreiches sagen. Aufs Rähmchenbasteln habe ich mich nicht verlegt, obwohl ich's mal probiert habe. Ich fand es immer viel einfacher, zu einem mir bekannten Glaser zu gehen, der in Rahmenleisten gut sortiert ist, um mir ein Rähmchen nach Wunsch anfertigen zu lassen. So kann ich jedem Bild einen anderen, einen nach meinen Geschmack passenden Rahmen geben. -
Einen Spiegel, den man täglich benützen will, um sich selbst darin zu betrachten, könnte man vielleicht durch eine ovale, einrahmende Spiegelradierung ausschmückend gestalten. Ein Blumenkranz, eine Blumenranke oder auch einige Schnörkel können einen Spiegel beleben (Nr.36, 37).
Ich möchte nicht auf jede meiner Spiegelradierungen eingehen. Sie sprechen ja für sich selbst. Dass auch Sie sich von Ihnen angesprochen fühlen, das wünsche ich mir. Vielleicht bekommen dann auch Sie Lust, es mit dieser Art der Hinterglasmalerei einmal zu versuchen.
|