Ostereier und Kerzen mit Wachs verziert

Wie Sie schon am ersten Bild dieses Themas sehen können, habe ich 1979 hierzu in der Brunnenreihe des Christophorus-Verlages ein Büchlein geschrieben. Mit freundlicher Erlaubnis des Verlages veröffentliche ich es hier in meiner Homepage, nachdem auch die 5. Auflage seit Jahren vergriffen ist und keine weitere mehr folgen wird. Text und Bilder habe ich aus dem Büchlein eingescannt.

 

Fotos: Ulrike Schneiders
Zeichnungen: Lajos Jobbagy
Herstellung: Freiburger Graphische Betriebe

 

Das Ei als Symbol

Wenn wir so da sitzen und nach bestem Können Ostereier bemalen oder sonst eine der vielen, vielen möglichen Techniken anwenden, können sich unsere Gedanken mit dem Ei befassen. Dies kann zur Meditation führen, denn die Beziehung zum Ei ist dabei unmittelbar, wir halten es in Händen.

Da ist zunächst die Form, die uns beeindruckt. Im Gegensatz zur Kugel kann die Eiform nur schwer konstruktiv nachgebildet werden. Wir können sie aber nachempfinden. Trotzdem ist es selbst für einen Künstler nicht einfach, eine vollkommene Eiform zu schaffen. Durch diese Form ist das Ei trotz der dünnen Schale erstaunlich stabil. Es hält in Längsrichtung, also von ,'Pol" zu ,'Pol", einen Druck aus, der wider Erwarten hoch ist. Hat die Form einer halben Eierschale Modell gestanden, als der Rundbogen oder die Kuppel erfunden wurden? - Aber das betrifft nur die Schale.

Was für ein Wunder der Inhalt! Ihm kann ein Lebewesen entschlüpfen, wenn es eine Zeitlang in schützender Wärme belassen wird. In lang vergangenen Zeiten haben unsere Vorfahren dem Ei einen tiefen Symbolwert entnommen: Das Ei wurde in vielen alten Kulturen zum Symbol für das Geheimnis des Lebens und der Fruchtbarkeit. Später wurde es zum Symbol der Wiedergeburt, wobei sich die erste Geburt beim Austritt des Eies aus dem Vogelleib, die zweite beim Ausschlüpfen des jungen Vogels aus dem Ei vollzieht. So wurde es dem Christentum zum Symbol der Auferstehung Jesu, und die wird ja an Ostern gefeiert.

Wen wundert es, wenn die Herkunft des Eies dem Hahn zugeschrieben wird! Der Hahn begrüßt als erster mit seinem Ruf die aufgehende Sonne und ist lange schon das Symbol des Verkünders. Der Osterhase - er bringt ja am Ostermorgen die verzierten Eier - ist als Wächter zu verstehen, wenn man weiß, dass er lidlos das Auge selbst im Schlafe nicht schließt.

 

Es gibt ja kaum eine verbreitetere Volkskunst als das Ostereierverzieren. Und alle, die es tun, schaffen mit Freude. Manche entdecken dabei erst ihre künstlerische Schaffenskraft, eigentlich auch eine Art Wiedergeburt. Herrliche Ergebnisse befinden sich im Besitz dieser Künstler und auch Sammler.

Das Verzieren von Ostereiern mit Wachs hat es auch früher schon hier und dort, wenn auch sehr selten, gegeben. Doch mit der Zeit ist diese Technik fast in Vergessenheit geraten. Ich habe beim Wiederentdecken - vor fast 30 Jahren - große Freude daran gefunden.